Mittwoch, 25. März 2009

Besuch aus der Heimat

Wie einige von euch wissen, hatte ich letzte Woche Besuch von meiner Freundin Claudia - die trotz einiger Hürden bei der Visumsvergabe (die im chinesischen Konsulat zeigen tiefes Misstrauen ggü. Mitarbeitern der SZ....nicht das da noch so eine junge ehrgeizige Redakteurin den investigativen Journalismus zu genau nimmt) - zusammen haben wir die Stadt erkundet...sind durch Museen gestreift, haben Märkte und Malls durchstöbert und haben viele viele Tempel, Schreine und Pagoden bestaunen dürfen. So haben wir in den 8 Tagen echt einiges gesehen, auch wenn die Zeit leider viel zu rasch verstreift ist...

Sonntag Morgen hat es uns dann als erstes zum Jade Buddha Tempel verschlagen, bei strahlenden Sonnenschein der optimale Zeitpunkt um mitten in buddhistische Zeremonien eintauchen zu können...

Trotz Eintritt von umgerechnet ca. 2Euro, den nicht nur Touristen sondern auch jeder Gläubige zahlen muss, ist die Tempelanlage sehr gut besucht...

da werden tausende Räucherstäbchen, Seerosen und Papiergeflechte als Opfergaben geweiht...danach verkündet man seine Wünsche mit lautem "vor sich hin Summen" während man sich je dreimal in alle Himmelrichtungen verbeugt und schließlich die Gaben anzündet...
...die Rauchentwicklung kann bei so vielen Gläubigen gleichzeitig ganz enorm sein, wie ihr auf dem Bild sehen könnt.

...die Buddhas im Haupttempel sowie in den vielen kleinen Nebentempeln sind wunderschön anzusehen, von klein und grazil bis majestetisch...die ganze Palette ist vertreten...

...wir konnten uns gar nicht satt sehen an den unterschiedlichen Farben, Größen und Formen. Zusammen mit den Gerüchen und dem Wechselspiel aus hektischem Treiben und mystischen Klängen ein wahrhaft sinnliches Erlebnis für zwei Buddha-Fans wie wir es sind;-)

...jetzt weiß ich wieder warum ich mit 18Jahren mal zum Buddhismus übertreten wollte...na immerhin konnte ich hier an der Uni gleich eine Präsentation zu "buddhism in China" halten, eine interessantes Thema ohne viel Einlesearbeit, so gehört sich das...




...bei den Prachtstücken versinkt meine eigene kleine Buddha-Sammlung leider kläglich...mmh, und noch viel schlimmer ist, dass es ja auch soooo tolle Buddhas zu kaufen gibt (ich sag nur Antikmarkt und Tempelläden)...ich aber keinen kaufen kann, weil zu schwer fürs Gepäck...

hihi, es gibt hier nur 2 Arten von Gütern...alle die leicht sind = gutes Gut (z.B. Seidenschal, Lampions, Seidenschuhe...) und alle die schwer sind = der ganze Rest (alles was gefühlte 300g als Einzelstück übersteigt)...

...da muss man schon Prioritäten setzen;-) naja, bei einer total tollen Handtasche würde ich natürlich ein Auge zudrücken, nur gut, dass die in der Regel nicht so viel wiegen;-)

...die Seerosen hier sind übrigens Opfergaben, sozusagen schwimmende Kerzen, die man in einem Tempelteich mit Koikarpfen und Goldfischen schwimmen lässt...sehr sehr idyllisch!
Kaum hinaus aus dem Jade-Tempel hat einen der Alltagstrubel jedoch rasend schnell eingeholt...


...ein Sonntag im Frühling bei schönem Wetter in der Nanjing Dong Lu...einer der vielen Einkaufsstraßen...ich sag nur "ab ins Getümmel"...das ist wie am Italienerwochenende auf der Wiesn...wobei, selbst da ist die U-Bahn nicht so voll wie hier teilweise in der Rush-Hour...
das ist echt kaum zu glauben...da wird förmlich hineingequetscht, wo der europäische Verstand bereits bei 15 Menschen weniger im Abteil gesagt hätte "es ist total voll". sollte man einmal erlebt haben...in Zusammenhang mit der anscheinend gelassenen und höflichen Art der Chinesen...phänomenal...

...mmh, dieses Bild ist typisch, und ein Beweis für die totale Gelassenheit im meist hektischen öffentlichen Raum. Da sitzt ein Mann seelenruhig auf seiner Fahrradrikscha am Straßenrand und schneidet seine Nasenhaare;-) jaja, auch Chinesen sind eitel, so ist es nun ja nicht...
...egal ob da hunderte Passanten kreuzen...



...eine Stippvisite in der unweit gelegenen Art Gallery durfte auch nicht fehlen...

wo wir auf den ein oder anderen abstrusen Charakter gestoßen sind!


Neben einem langem Spaziergang am Bund, diesmal bei relativ warmen Temperaturen und trockenen Fußes...haben wir auch ein paar Museen besichtigt. Besonders das Shanghai Museum kann mit kostbaren Kunstschätzen auftrumpfen...

...hinter diesem modernen Bau verstecken sich viele antique Schätze...besonders angetan war ich von den alten Kalligraphien aus der Yin- und Tang-Dynastie...

...den Jahrhunderte alten Vasen, in den verschiedensten Formen und Farben verziert...

...und auch die Mineralienabteilung konnte sich sehen lassen:



Nach einigen Stunden dort und der Bekanntschaft von drei weiteren Chinesinnen, die uns dort angesprochen haben (waren selbst als Touristen in Shanghai unterwegs)...also Leute kennenlernen ist hier nicht wirklich schwierig...ich weiß gar nicht wieviel Telefonnummern ich in den 2 Monaten abgespeichert habe...wenn ich ehrlich bin, weiß ich von den meisten nicht mehr wer wer ist...tja...networking ist sicherlich keine europäische Erfindung...
richtig schön kitschig ging es dafür wieder in der reichlich beleuchteten Altstadt zu...

...hier stehen wir auf der neuneckigen Brücke am Rande der Yuyuan Gärten...die Brücke besitzt übrigens Ecken, damit Dämonen sie nicht überqueren können...


...eine große Touristenattraktion hier, die man sicher sehen sollte wenn man vor Ort ist, aber die wirklich interessanten Spots finden sich woanders...so darf man es sich z.B. keinenfalls entgehen lassen, durch einen der kleinen PArks zu gehen , die Shanghai zu bieten hat. Neben einer angenehmen Luft zum Atmen (ein wirklich kostbares Gut, lernt man hier erst richtig wertzuschätzen) kann man hier ganz abstruse Dinge erleben...vom Schattenboxer, tanzenden Menschen oder Schwertkämpfern...bis hin zu Tai Chi-Anhängern...oder eben zwei Rentnern im Pyjama, die gemütlich umherschlendern, aber leicht mit zwei Gefängnisflüchlingen verwechselt werden könnten, da sie neben dem Streifenlook auch noch ein Regsitrieschild vorne an der Brusttasche angeheftet hatten...mmh...vielleicht sind sie ja aus dem Altersheim abgehauen??? je ne sais pas...


...der Verkehr ist sicherlich als eine never-ending-story prädestiniert...nach einigen abenteuerlichen Taxifahrten mit Ausflügen auf Standstreifen, Gehwege und der Bekanntschaft von Heuschrecken (des Taxifahres ganzer Stolz;-) sag ich nur: mich schreckt so schnell nichts mehr!

hier eine typische Lauerstellung an einer großen Straßenkreuzung...die Ruhe vor dem Sturm...


...das Wäschetrocknen an Stangen vor den Wohnhäusern, auch bei kalten Temperaturen und direkter LAge an der Hauptverkehrsstraße zeugt hingegen von der großen Platznot, von der ein Großteil der Einheimischen betroffen ist...die Statistik spricht hier deutlich: während der durchschnittliche Deutsche 38qm für sich beanspruchen kann, verfügt der Chinese gerade mal über 9qm!



wie ihr auf dem Bild seht ist der Frühling hier schon in voller Blüte...wirklich witzig an dem Foto ist allerdings, dass es in dem kleinen Park ca. 4 Wächter gab, d.h. jeder von ihnen hatte ein Revier von ungefähr 50m Länge und 20m Breite zu "verteidigen" ...und wehe jemand macht auch nur den Anschein, dass er den Rasen betreten will...so wurden wir beim Fotografieren auch penibel beobachtet, ob wir in einem unbeobachtetn Moment nicht doch auf die Rasenfläche springen,-)


...nach langem Fussmarsch brauchten wir dann gleich mal Pause bei Kavier und Champagner...na ja, wer mich kennt, weiß dass ich auf beides eher weniger stehe, so blieb es dann bei einem Schnappschuss...



...als eine Art Reminder steht in diesem Park eine Statue von Marx und Engels herum...davor wird in eine Runde Badminton gespielt...


...jaja, Claudia tackert gerne auf großen Knöpfen herum...insbesondere wenn dann auch noch etwas am Plan zu leuchten anfängt...tolles Spielzeug, das da im Urban Planing Museum herumsteht...wer Shanghai besucht, sollte sich das nicht entgehen lassen! Das Museum bietet viel Infos über (die relativ junge) Stadtgeschichte...dort wird einem der rasante Wandel noch einmal so richtig deutlich gemacht...hier gibt es jede Woche soviele Verändeungen, dass es einem (zumindest mir) schwer fällt sich den Wandel der letzten 150 JAhre zu verinnerlichen...



Neben den historischen und architektonischen Entwicklungen der Vergangenheit wird eine ganze Ebene der unmittelbaren Zukunft gewidmet: DIE EXPO - ein Highlight im kommenden JAhr und für Shanghai offensichtlich die Chance sich international, hierbei besonders im asiatischen Raum "on top of" zu positionieren...a city where east meets easts...die Marketer klopfen da einige, leider schon sehr abgebrauchte slogans ab...innovativ ist etwas anderes...das Bild oben zeigt bereits wo die einzelnen Länderpavillions auf der Expo stehen...


...Shanghai in Miniatur...toll gemacht...wieder ein Beweis dafür, dass es hier an Arbeitskräften nicht mangelt...ein durchschnittlicher Shanghaier (kein Akademiker) verdient ca. 5000 rmb, das sind ca. 560 Euro pro Monat...da frag ich mich, wie man mit diesem Gehalt hier leben kann...sicherlich sind viele Dinge um einiges günstiger als bei uns...nichts desto trotz ist Shanghai die teuerste Stadt Chinas...




...ich ganz gefangen vom Schnellbootfahren...hat etwas gedauert bis ich den Platz wieder freigegeben habe...aber waren ja nicht soviel Leute da...und ein netter Koreaner hat mir noch ganz aufgeregt erklärt, dass ich mit der Hand Gasgeben kann;-)


mmh, ein Monument...
...ein Sonnenuntergang bei Smog...unglaublich und erschreckend...blauen Himmel gibts hier nicht...auch nicht wenn die Sonne scheint...

...ein schöner Abend im Cloud 9, der Hotelbar im Grand Hyatt, 92. Stockwerk, atemberaubender Bau, super Lifeband, tolle Atmosphäre und die besten Toiletten der Stadt (wenn nicht ganz Chinas!)...mit eingebauter Sitzheizung...ein Ort zum Wohlfinden...


Liebe Claudia, danke für deinen Besuch und die schönen Erlebnisse! Bis ganz bald in München, wenn ich deine Wohnung dann im China-Look begutachten darf! Dickes Küsschen, Nicole




Samstag, 21. März 2009

Suzhou - die Gartenstadt

Letzte Woche war es soweit. Ich will nicht sagen, dass ich alles in Shanghai gesehen habe, die Stadt ist schier endlos und wartet an jeder Ecke mit Überraschungen auf...doch hat sich so etwas wie Gewohnheit bei mir eingestellt.
D.h. ich schlender in aller Ruhe mit MP3 Player am Ohr durch die Straßen, wie viele Chinesen auch, anfangs echt abenteuerlich, weil man die ganzen Hupsignale der Mopeds, Fahrrad- und Autofahrer nicht hört...
Apropos Schlendern; mir fällt hier auf, dass viele Chinesen tatsächlich "schlendern", seelenruhig "dahinbummeln"...mmh...also mit der Schrittgeschwindigkeit hier komm ich ab und zu nicht klar...ich gebe zu, da siegt meine Ungeduld...kaum zu glauben in einer Schnelllebigen Stadt wie Shanghai...irgendwie fasziniered zugleich, denn die Menschen hier zeigen auch in vielen anderen Alltagssituationen ihr gelassenes Gemüt...trotz aller Hektik, Lärm, Schmutz etc. ...

Beachtet man einige wenige Regeln, ist jedoch auch der Spaziergang mit musikalischer Ummantelung keine große Gefahr. Z.B. darf man nie einfach so seine Spur am Gehweg wechseln...denn Fahrräder und Mopeds schießen meist pfeilschnell und äußerst knapp an einem vorbei...da ist ein ausschwenkender Gang nicht drin;-(

Letzten Freitag habe ich mich zusammen mit Anna auf den Weg in die Gartenstadt Suzhou gemacht...
...die Stadt ist nur ca. 80km von Shanghai entfernt und deshalb ein beliebtes Ausflugsgebiet am Woende und bei Sonnenschein...wir hatten nichts von alle dem und konnten die wunderschönen chinesischen Gärten somit in aller Ruhe genießen...



Suzhou hat übrigens 2,1Mio Einwohner...also für chinesische Verhältnisse fast eine Kleinstadt! Und genau so kommt es einen anfangs auch vor...unglaublich, da hört man auf einmal Vogelgezwitscher...einfach so...und keine Hochhäuser soweit man blickt...


Die ersten Bilder zeigen das Areal des Nordtempels (Beisi Ta), mit der höchsten Pagode südlich des Jangtse...stolze 9 Stockwerke habe ich erklommen um dann eine weite Sicht über die Stadt genießen zu dürfen...



Der Nordtempel beherbergt wunderbare Buddha-Schreine...



...die Opfergaben sind zahlreich, von Seerosen , Räucherstäbchen bis hin zu Geld...diese Exemplar eines Räucherstäbchens ist etwas überdimensioniert...
die Pagode... ...und der Ausblick von der Pagode auf den Tempel
steile Stufen gab es zu überwinden... keine Hochhäuser...
...Suzhou gilt nachwievor als Seidenzentrum in China. So konnten wir es uns nicht entgehen lassen, eine Seidenfabrik zu besichtigen...da ist viel Handarbeit angesagt...



...und anschließend bekamen wir die Ergebnisse gleich auf einer Modenschau präsentiert...


einige 100 Meter von der Fabrik entfernt besuchten wir dann auch das Seidenmuseum, indem die über 5000 Jahre alte Geschichte der Seide anschaulich erzählt wird.





...von der Seidenraupe und ihren fünf Entwicklungsphasen...bis hin zum Endprodukt...ein langer und mühsamer Weg...kein Wunder, dass Seide so teuer ist!


...in so einem Seidenwebstuhl wurden Seidenstoffe früher manuell gewebt...unvorstellbar...wie lange dies dauert!!! die einzelnen Seidenfäden sind teilweise so dünn, dass man sie mit dem bloßen Auge überhaupt nicht sehen kann.



typische Handwerksläden in Suzhou...übersichtlicher als Baumax, Obi und Co., aber auch um einiges billiger;-)

...Suzhou wird auch "Venedig des Ostens" genannt...der Vergleich hinkt, anhand der Bilder seht ihr jedoch warum...

Suzhou bietet insgesamt 5 verschiedene bekannte Gärten an...die allesamt tunlichst gepflegt und jeder auf seine Weise wunderhübsch anzusehen ist...
wir haben uns 3 Gärten angesehen, mit den klingenden Namen "Changlang Ting", "Garten der Politik meiner Wenigkeit" und "Garten des Meisters der Netze":

die Spannweite reicht vom riesigen Park bis zum kleinen Gärtchen...überall kunstvoll geschwungene Tempelchen und Schreine integriert...man weiß nicht wohin man als erstes Blicken soll...













...
im Süden von Suzhou konnten wir noch den Konfuzius Tempel besichtigen...der Konfuzianismus spielt hier als Religion und Philosophie eine bedeutende Rolle, neben den Taoistischen und Buddhistischen Riten




oft spürt man die Nähe zu Japan, wie an der auch in China weit verbreiteten Kunst des Bonsai Baums...