Donnerstag, 2. April 2009

Nanjing - Hauptstadt der Provinz Jiangsu

Nanjing, heute lediglich Hauptstadt der Provinz Jiangsu, war zu Zeiten der Ming-Dynastie lange Zeit Hauptstadt von China, später Hauptstadt des himmlischen Königreiches Taiping und noch später Regierungssitz der ersten chinesischen Republik die unter Sun Yat-sen gegründet wurde.

Ihr seht schon an diesen historischen Daten, dass Nanjing kulturell einiges zu bieten hat...so fuhr ich das letzte Märzwochende in die 300km entfernete Metropole am Yangzi (5,8Mio Einwohner) um zusammen mit Julia etwas Kultur und Geschichte aufzusaugen...

Bewaffnet mit meinem Reiseführer und einem vor Ort am Bahnhof gekauften Stadtplan (selbstverständlch nur auf chinesisch, es muss ja spannend bleiben,-) ging es nach einem kurzen Zwischenstop in unserer Unterkunft dann gleich hinein in das Getümmel...

...ach, jetzt hätte ich euch beinahe den obligatorischen Kaffee unterschlagen (na gut, manchmal sinds auch 2 oder 3 am Tag...mittlerweile weiß man halt die Orte der guten Röstkunst in Shanghai und manche sind gar nicht weit von der Wohnung entfernt:-)...will heißen: ich konnte meine Kaffeesucht in China bisher nicht aufgeben...zur Not schreit von irgend woher ein Starbucks (den ich zu Hause tunlichst meide), aber ich gebe zu, hier lobe ich mir die Globalisierung...
...Kaffee ist hier wahrer Luxus, kostet hier meist einiges mehr als einmal gut Essengehen...schlägt in der Haushaltkasse also ordentlich zu buche...


...so orderten wir in Nanjing gleich Cappuchino und bekamen nach langem warten (die zelebrieren Kaffee zubereiten fast wie auf einer Teezeremonie...also wenns schnell gehen soll, ja nichts mit Milchschaum bestellen!) eine super kitschige Tasse im China-Sissi-Gedenken-Style...

...mit fragwürdigem Inhalt...auf der Schaumkrone war Zitronenschale...und nicht nur diese verursachte einen bitteren Nachgeschmack...

Nach herben Rückschlag am Morgen ging der Tag dafür umso besser weiter. Unten seht ihr Chaotin Gong, den Himmelspalast, eine konfuzianische Tempelanlage...ein Ort der Ruhe und Besinnung im hektischen Großstadtmoloch...


In der Anlage ist auch das städtische Museum integriert, das den ein oder anderen Schatz aus der Ming-Dynastie aufzeigen kann (15.Jh.). Natürlich fand ich die Buddhas wieder am Besten...gab aber ein weites Spektrum an Fragementen, Münzen, Drachenskulpturen...etc.


Bei Sonnenschein bummelten wir anschließend noch über einen netten Trödelmarkt auf dem Gelände und entdeckten dort die ein oder andere Rarität...


...an vielen Ständen ist Mao noch gegenwärtig, sei es in Form von Postkarten, kleinern Plakaten oder der sogenannte Mao-Bibel, die zu Zeiten der Kulturrevolution Pflicht war und bereits jedem Kind in der Grundschule wohl bekannt war...

Weiter ging unsere Route zum Mochou See/Park...eine wahre Augenweide im Frühjahr, vieles in voller Blüte...und zudem das Paradies auf Erden für Kinder!


Ein Regenbogen im Springbrunnen...


Neben einem riesigen Teehaus am See, Schiffs- und Bootsfahrten und romantischen Spaziergängen durch den hübsch angelegten Park...



können Besucher dort noch das ein oder andere ausprobieren...
wie wäre es etwa mit dem Übungsplatz zum Diabolo spielen...wie, das konntet ihr in der Schule schon nicht so gut?...na dann könnt ihr euch hier an den Diabolo-Profis ein Beispiel nehmen...


...sieht doch ganz einfach aus, oder?
Zu viel Feingefühl nötig? Ich hab auch was für die Grobmotoriker unter euch...mietet euch doch ein tolles Gefährt mit dem ihr mit ca. 10km und lauter Tröthupe durch den Park brettern könnt...sicher ein Spaß!


...ihr wollt lieber etwas zu Wasser machen? Auch recht...dann gehts ab in die Kugel... bloß nicht schwindelig werden...

Ganz neidisch war ich auch auf eine riesen große Hüpfburg mit mehreren Ebenen...gigantisch! warum gibts sowas bei uns nicht? boah, einmal Kind sein in China bitte!!!

Zugegeben, es viel mir nicht einfach diesen schönen Ort zu verlassen...aber auf uns wartete bereits die Stadtmauer von Nanjing, die im 14.Jh. errichtet wurde und sich insgesamt auf einer Länge von 33km um die Stadt schlängelte...das zeigte Wirkung: kein Feind hat jemals versucht, die 12m hohe Mauer zu durchbrechen!

...wer ist denn da? Burgfräulein Tschü-Li macht einem Rittersmann schöne Augen...ich werde berichten, ob es ein Happy-End gab...


der Blick über die Stadt vom Zhonghua-Tor aus...

...ja, die Größe der Mauer ist definitiv beeindruckend...die ursprüngliche Stadtmauer ist übrigens an noch einigen wenigen Punkten zu sehen, das meiste ist jedoch renoviert...
bin ich ja schon auf die große Mauer bei Beijing gespannt...


In den Abendstunden haben wir uns in das Gewirr der Innenstadt gestürzt, erste touristische Anlaufstelle ist Fuzi Miao, der Konfuzius-Tempel...mit 40Rmb Eintritt total überteuert und meiner Meinung nach viel zu kitschig, hat mit einem Tempel, bis auf die Außenarchitektur der Anlage wenig gemeinsam...


Ein Geld-/Reichtumsbaum vor dem Tempeleingang.
Eine chines. Folklorevorführung...wie war das mit Vorderbühne und Hinterbühne in der trankulturellen Kommunikation?


ansonsten bietet Fuzi Miao noch ein Meer an beleuchteten kitischigen und teilweise auch häßlichen Figuren, so dass ihr den Tempel getrost rechts liegen lassen könnt, bei einem Besuch in Nanjing.

Nach Julias Hightlight am nächsten Morgen: Duschen mit abnehmbaren Duschkopf und viel Wasserdruck...ihr seht schon, über was man sich nach einer Weile alles freuen kann...ging es dann ab nach Zijin Shan, dem sogenannten Purpurgebirge außerhalb Nanjings.
Laut Reisführer sollte dort eine Seilbahn auf uns warten...mmh, es war dann ein etwas rostiger Sessellift, nicht so vertrauenserweckend, aber hey, wir sind in China...


...sagte es, und fuhr schon los...einsam und verlassen (Montag vormittag), ich glaube die Fahrt hat so 20-25min gedauert, also eine gefühlte halbe Ewigkeit... auf der ganzen Strecke kamen uns genau drei besetzte Sessellifte entgegen...
Angekommen auf über 700m wurden wir mit einem tollen Ausblick belohnt.


...und so gleich ging mein erstes Wanderabenteuer in China los. Ausgestattet lediglich mit dt. Reiseführer (total nutzlos da oben) und ohne Wegekarte vom Gebiet, haben wir uns auf Orientierungssinn und den chinesichen Beschilderungen (z.T. auch in englischer Sprache) verlassen...eine sehr sehr schlechte Idee!
allein schon witzig ist, dass die Wanderwege großteils megabreit und betoniert sind...verlässt man dann wie wir die Hauptroute, heißt es dann allerdings Stock und Steinen ausweichen...

...2,5h und ca. 10km später kamen wir dann wieder irgendwo am Stadtrand an einem kleinen See mit Anglern heraus, bloß nicht an unserem Ziel, dem Lingu-Tempel...

...bis auf einem chines. Tourist, der Englisch verstand aber selbst nicht sprechen konnte war keine Menschenseele weit und breit...so suchten wir auf unserem chines. Stadtplan unseren momentanen Aufenthaltsort im Ausschlussverfahren...es gibt 4 Seen am Rande der Purpurberge, an einem von ihnen mussten wir uns ja gerade befinden...

Da wir immer ostwärts gegangen sind und zusätzlich noch eine breite Schnellstraße unweit des Sees ausfindig machten...war unser Ort schnell gefunden...wir waren viel zu weit im Osten außerhalb der Stadt gelandet und gute 3 km von unserem Ziel dem Lingu-Tempel und Pagode entfernt, knapp verfehlt würde ich sagen.-)

Und wo sind Taxis oder Busse wenn man sie braucht? Richtig, nicht da. So ging es entlang einer wenig befahrenen Straße unter mürrischen Äußerungen meiner lieben Begleiterin (man halte immer Not-Proviant für sie bereit, das kann Leben retten.-) weiter...

Am Ziel angekommen, ein riesiger PArk, einige Hekar groß, hieß es dann weiterlaufen...


...ein Foto mit der Schildkröte war noch drin...

Der Baum erinnert mich an einen "für eine bessere Umwelt"-Spot...da gibt es hier viel zu tun...
Die 8-stöckige Lingu Pagode steht mitten im Wald, so dass sie von weitem kaum gesehen werden kann...


"Dämonen bitte draußen bleiben".

Da nicht genug Zeit war alles anzusehen, entschieden wir uns nach 1,5h weiter in das benachbarte (2km weiter) Mausoleum von Sun-Yat-sen zu ziehen...ich glaube wir waren noch nie so froh in eine doofe Touristen-Bimmelbahn einsteigen zu können.-)

Vorgewarnt durch meinen Guide wussten wir, dass es dort galt 392Stufen zu erklimmen...natürlich ist auch das Mausoleum in einen großen Park eingebettet...genau richtig...wieder laufen...laufen...laufen...

Umgeben von vielen chinesisch, japan., korean. Touristengruppen mit Reiseleiter...die für die bessere Gruppenidentifikation alle ein Käppchen tragen...wow, nur nicht aus der Reihe fallen...naja, außer Julia und ich natürlich...ohne Reiseleiter, ohne Gruppe, Westler, große Frauen, helle Haare, Locken...mmh. es gab da einige Faktoren die dafür sorgten, dass wir auffielen...


...das Mausoleum in Sichtweite...da wir aus Salzburger-Zeiten bekanntermaßen stufenerprobt sind, schließlich gehörten mehr als 140 zum täglichen Uni-Weg, waren die 392 Stufen überraschenderweise nicht schlimm...zumal total gleichmäßig hoch, angenehm zu gehen...

Der Ausblick von oben...

...und das Mausoleum von innen...

der Rückweg in die Stadt wurde dann noch zum Ereignis...mit einem Bus mit riesigem Loch rund um die Schaltung hieß es dann ausprobieren wieviele MEnschen dort Platz finden...wir konnten den Bus entsprechend erst verlassen, als viele LEute ausstiegen, in der Hoffnung, dass das dann im Zentrum ist...nunja, Taktik aufgegangen...da der Bus ewig getuckert ist, hatten wir leichte Eile...schließlich mussten wir unser Gepäck noch aus dem Hostel holen und dann ab zu unserem Zug...

...ich konnte lange nicht so gut schlafen, das sag ich euch!

Julia hat mir am Tag danach geschätzte 200mal von ihrem Muskelkater berichtet...und allen anderen Mitmenschen auch ihr Leid kundgetan...ich blieb hingegen von nachwehen verschont...ein schöner Trip, jedem zu Empfehlen!

2 Kommentare:

  1. wow wow wow...
    echt lässig! :)

    david

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  2. Ja, aber das ist auch wirklich uunfair, mir hat jeder Schritt wehgetan und du hast nix! Da musst ich mich doch rächen! ^^

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