Donnerstag, 16. April 2009

Xi'an - der östliche Endpunkt der Seidenstraße

Da es in China nunmal kein Ostern gibt, das mit dem Eiersuchen dementsprechend etwas kompliziert hätte werden können, auch wenn sich der ein oder andere bei mir in der Gruppe sogar mit Osterhase und Farbe zum Eierfärben von zu Hause eindecken hat lassen, hab ich mich dazu entschlossen Ostern in Xi'an zu verbringen...

Mit dem Nachtzug gings dann zusammen mit Julia auf die 1500km lange Strecke...14h im Hardsleeper, d.h. im 6er Abteil Schlafwagen...für 650Rmb, ca.70Euro inklusive Rückfahrt, da kann man nicht mosern...ich war nur richtig froh, dass ich mir die untere Liege reservieren habe lassen (was gar nicht so einfach am Schalter zu vermitteln war), denn die Schlafwagen sind extrem hoch, da ist das dritte oberste Bett schon in abenteuerlicher Höhe...so geschätzte 2.20m, also Leute die Höhenangst haben sind hier falsch am Platz...

Zugfahren war eigentlich ganz angenehm, naja, sieht man mal von den Toiletten ab, Hocken (in China bekanntlich Nationalsport) kann bei einer rasanten und recht holprigen Fahrweise zur echten Herausforderung werden;-)...so kann man Gleichgewicht halten üben...
oder einfach nichts trinken, das hilft auch Wunder...


...als Westler ist man beim Zugfahren schon eine kleine Sensation...aber die Chinesen bleiben ja süß dabei...neugierige Blicke...verstolenes Wegschauen....dann siegt aber doch wieder die Neugierde...also Blick wieder auf Langnase richten...
und sollte man dann noch einem extrovertierten Chinesen gegenübersitzen der ein paar Brocken Englisch kann...ja dann...

...ist man schon mitten drin im Gespräch...da gibt's die ein oder andere lustige Geschichte zu erzählen...aber allgemein muss ich sagen, dass es nie wirklich unangenehm und lästig ist (was ja anderswo in Asien durchaus zur Fars werden kann)



Kaum angekommen im Hostel, waren wir gleich entzückt von der Unterkunft...ein total schmuckes Gebäude mit allem was man braucht und noch viel mehr...unweit des Südtores und somit mitten im Geschehen...und doch ein Oase der Ruhe...toll! (ich verdränge jetzt mal den bestialischen Gestank auf der Straße direkt am Eingang des Hostels, nobody is perfect;-)

...am Besten war die Hostelkatze "mimi" (alle Katzen in China heißen so)...geschätzte 20 Jahre auf dem Buckel, damit eigentlich täglich den Blick gen Katzenhimmel gerichtet, bewegt sich im Zeitlupentempo...wenn ihr glückt habt...liegt meist wie ein röchelnder Stein auf dem Bartresen (!) herum, während links und rechts von ihr die flinken chines. Bedingungen das Bestellte abholen...Katzen sind scheu, schreckhaft, lärmempfindlich uns sensibel? -Nicht mimi...die ist sicher schwerhörig (als Katze in China auch besser so!) und ideal zu kidnappen;-)


Xi'an ist heute Hauptstadt der Provinz Shaanxi. Die Bedeutung der Stadt lässt sich allerdings umso besser an seiner Vergangenheit ablesen: 4000 Jahre lang war Xi'an die Hauptstadt von 11 Dynastien...den Höhepunkt erlangte die Stadt während der Tang Dynastie, als sie zum östlichen Endpunkt der Seidenstraße wurde...

Xi'an war also eine Stadt der Händler, und auch heutzutage, 1400Jahre später, sieht man ihr das geschäftige Treiben noch an...im Gegensatz zu Shanghai wimmelt es hier von schmalen Straßen und Gassen, in denen je nach Viertel die unterschiedlichsten Dinge angeboten werden...


So gibt es hier etwa ein riesiges muslimisches Viertel, indem bspw. Nüsse und Süßkram in allen erdenklichen Variationen feilgeboten werden, neben so allerhand Sonderbaren...mmh, oft möchte man wirklich nicht wissen, was da alles auf dem (Fleisch) Spieß kommt...erst recht nicht, seitdem Kungfu-Hanna uns über Essgebräuche in verschiedenen Provinzen aufgeklärt hat (mmh, lecker Rattenfleisch sag ich nur, und ich finde Hühnerkrallen am Suppenboden immernoch eklig, ich sollte mich hier echt mal anpassen:-)




Toll und sehenswert sind auch die vielen Gässchen mit Kalligrafie Künstlern, von kitschig bis klassisch schlicht, alles vertreten, man kann ihnen auch direkt beim Zeichnen zuschauen...klassich auf Reispapier, aber auch je nach Bedarf auf Leinwänden, TShirts oder Taschen...



Die große Moschee in Xi'an gehört zu den größten islamischen Gotteshäusern in China und bietet ein wunderhübsches riesiges Areal mitten im hektischen Gewirr - ein Ort der Ruhe und Besinnung...und sei es auf den dezenten Baustellenlärm, der die himmlische Stille empfindsam störte:-) aber hey, China leise und einsam wär doch nicht authentisch;-)

Die beiden Bilder sind am Trommel- und Glockenturm entstanden...letzterer überragt mit seinen 3 grünen Dächern das Zentrum von Xi'an. Genau richtig...echte Hochhäuser sind hier eher Fehlanzeige...



Wie bisher überall in China (außer Shanghai und Hongkong) scheint Drachen steigen lassen auch in Xi'an ein beliebtes Hobby von jung und alt zu sein...das sieht total schön aus, wenn der Himmel in den Parkanlagen oder über der Stadtmauer voller kunstvoller Gebilde ist...
so konnte ich es dann auch nicht sein lassen und habe mir selbst einen ganz kleinen Drachen zugelegt...ich bin mir jetzt schon sicher, er wird eher zu Deko-Zwecken in der Heimat benutzt, aber was soll's?
Dass Drachen steigen lassen gar nicht so einfach ist, könnt ihr an diesem Baum sehen, in dem das ein oder andere Flugobjekt sein (vorläufiges) Ende gefunden hat.


Sicherlich am bekanntesten in Xi'an ist die Terrakotta Armee, die gute 30km außerhalb der Stadt liegt und seit ihrer Entdeckung im Jahr 1974 zu wahren Pilgerströmen führt...
die vielen Touristen werden sogleich von netten Tourguides am Eingang begrüsst...in lila-blass-blauer Uniform und da braun werden in China verpönt ist, selbstverständlich mit passendem Sonnenschirm bewaffnet...


...alle Anbahnungen der Guides links liegen gelassen (ihr wisst ja, wie gerne ich mich irgendwelchen Führungen und Reisegruppen anschließe,-(
ging es dann ab in die Hallen um die lebensgroßen (!) Lehmfiguren zu bewundern, die vor über 2200Jahren geschaffen wurden, um das Grab von Kaiser Qin Shi Huangdi zu bewachen...





Die größte Grube enthält beeindruckende 6000 Krieger, die sich allesamt in ihrem Gesichtausdruck unterscheiden (von freundlich bis tief finster dreinblickend)...

Auch interessant ist, dass die Soldaten ursprünglich farbenfroh und individuell bemalt waren... ihr seht schon, nicht nur die Pyramiden in Ägypten sind ein Beweis dafür, was unter Skalvenarbeit alles erbracht wurde...




Ganz berühmt hier ist der erstaunlich gut erhaltene und detailreiche "kniende Schütze" mit einer Brustpanzerung...man beachte die quadratischen Schuhe mit Spikes...man wusste also auch schon vor 2200 Jahren, wie man einen sicheren Halt bekommt...


Xi'an besitzt als eine der wenigen chinesischen Städte eine intakte Stadtmauer, die sich in einem Rechteck auf 14 km Länge um das Zentrum zieht. Das Zentrum ist somit alles andere als klein und überschaubar...überhaupt reicht die Stadt heute bis weit weit außerhalb der Stadtmauer...klar, wo sollen die knapp 8 Mio Einwohner Xi'ans auch Platz finden. Auch hier gilt die chinesische Regel: "1 cm am Stadtplan sind gleich 10 min per Taxi, wenn nicht grad mang fen (=rush hour) ist"...

Das Südtor der Stadtmauer ist Nachts schön beleuchtet...


Die Mauer bei Tag: beeindruckend zieht sich die 12m hohe und 18m breite Mauer gen Horizont...der wegen den sommerlichen Temperaturen (24Grad) und der starken Luftverschmutzung leider selten zu sehen ist...

Bei Besuch der kleinen Wildganspagode (43m) war der Himmel für chinesische Verhältnisse fast schon unverhältnismäßig blau...

umso mehr genossen wir die Sonnenstrahlen...


Bevor ich mich dann wieder ganz meinen Buddhas widmen konnte...fragt lieber nicht wieviele Bilder ich schon gemacht habe...nur eine kleine Auswahl:

...ob in Stein gemeiselt...

...mit Blattgold überzogen...


...in groß oder klein...viele verschiedene Formen, Haltungen und Gesichter lassen jeden Buddha zum Unikat werden...

Wunderschön gelegen, mitten in der geschäftigen Altstadt gelegen ist das Stelenwald Museum, das mehr als 1000 Stelen (Steinsäulen) zum Gedenken an unterschiedlche Anlässe beherbergt.Ich zwischen jahrhundertealten Stelen...mmh, ich gebe zu, bei einer Chinesin am Bild wirkt das ganze Umfeld um einiges imposanter...wenn die Säulen dann allesamt größer als man selbst sind;-)





Eine weitere Attraktion war das Shaanxi Geschichtsmuseum, auch wenn von den 370000 Ausstellungsstücken sicherlich nur die Hälfte zu besichtigen waren, weil einige Räume wegen Umbaus nicht zugänglich waren...
Wir waren ja nach einer Stunde in der Warteschlange schon froh, dass wir es überhaupt hinein geschafft haben...wir kamen nämlich so gegen 12.15 Uhr an, vor uns eine kleine Schlange, eigentlich nicht weiter tragisch...verglichen mit Madame Tussauds oder dem Louvre überhaupt nicht die Rede wert...aber, wir sind in China...die Schlange hat sich nämlich eine dreiviertel Stunde überhaupt nicht bewegt...schön, ahnunglos in der prallen Sonne stehen und warten während die Schlange hinter uns immer länger wurde und sicherlich an die 200m reichte...



...und dann, um Punkt 1Uhr (pünktlich sind sie die Chinesen!!!) ...die Eintrittskartenverkäufer marschierten gleichzeitig aus ihrer Mittagspause zurück, und weiter gings...
...echt unglaublich, die Mittagspause ist hier echt heilig...zwischen 11.30 und 1uhr sind alle Restaurante und Garküchen laut und voll...und dann, von einer Minute auf die andere...geht jeder wieder (mehr oder weniger) seiner Arbeit nach...



...kaum ging es weiter waren wir auch in 15min an der Reihe...umso besser wars, dass Sonntags der Eintritt kostenlos war...lustig auch, dass es mehrere Kartenschalter gibt. Einer für "disabled men", einer für "foreigners and Chinese visitors" und einer für "inhabitants"...
Ob foreigners wohl mehr Eintritt zahlen müssen? mmh, eigentlich ja seit ein paar Jahren in china verboten, aber man weiß es nicht, denn die chinesischen Gesetze, sind wie vieles hier, mehr formal und zur Zierde ausgelegt...




Das nächste Bild entstand bei Dayan Ta, der großen Wildganspagode, die einen gut erhaltenen Tempel (Ci'en Si) besitzt...
Zwei Mönche, die ganz irdischen Verlangen nachgehen...jaja, plündern wir doch mal den Opferstock und schauen mal, was die Gläubigen so hinterlassen haben, in ihrer Hoffnung auf Reichtum und Nirvana...da kommt sicherlich einiges zusammen...wie unsere Professorin schon meinte, keiner weiß, was mit dem vielen Geld geschieht, jedenfalls wird kaum etwas in die Erhaltung der Tempelanlagen gesteckt...die Verführung des Geldes macht auch vor hohen Tempelschwellen keinen Halt...zumindest bei manchen;-)

...obwohl dieser hier in gutem Zustand ist, seht euch nur die kunstvoll verzierten Decken an...



Die 64m hohe Pagode haben wir erklommen, trotz steiler Stufen mit viel Gegenverkehr...leider war die Sicht wegen dem starken Smog relativ schlecht...





Ein kleines Brückchen führt zum Tempel der Acht Unsterblichen, der etwas versteckt und daher wenig touristisch ist...das daoistische Heiligtum wurde ursprünglich dem Donnergott geweiht...








Hier wurden angeblich die acht Unsterblichen der doistischen Mythologie gesichtet, daher der Tempelname...


Wie in buddhistischen und konfuzianistischen Anlagen, dienen auch hier Räucherstäbchen als Opfergaben...ich mag den Geruch...auch wenn er nicht mit schwachen Kreislauf zu empfehlen ist...


Oh, welch schmucker Innenhof in einem Seitentempel der Anlage...hier lässt es sich aushalten...








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